„Ich
möchte mein Stottern genau wahrnehmen, sonst kann ich es
nicht verändern.“ „Ich
möchte keine schwierige Stelle beim Sprechen umgehen.“
Diese Aussprüche stotternder Menschen sagen etwas aus über
den Therapieansatz, den wir in unserer Praxis anwenden.
Stottersymptome sollen nicht vermieden, sondern verändert
werden. Der Stotternde lernt, auf seine Blockaden besser zu reagieren.
Es werden Sprechtechniken bei den Wörtern eingesetzt, bei
denen Stottern tatsächlich auftritt. Anstatt mit Anstrengung
und Ankämpfen zu reagieren, wird Stottern durch bewusste Sprechkontrolle
erleichtert oder aufgelöst.
Viele Stotternde versuchen mit allen Mitteln Stottern zu vermeiden.
Sie verzögern den Sprechbeginn durch Satzabbrüche und
Wiederholungen oder durch Einschübe von Floskeln wie „also“ oder „na“.
Sie ersetzen blitzschnell risikoreiche Wörter oder bauen Sätze
um. Eine Möglichkeit- und dies ist die Ungünstigste-
ist es, nicht zu sprechen und den Kontakt zu vermeiden oder vorzeitig
zu beenden. Dieses sprachliche und situative Vermeideverhalten
gilt es zu erkennen und zu reduzieren. Das Ziel ist, freier und
offensiver zu sprechen - auch mit Stottern- den Kontakt selbstbestimmt
zu gestalten und ohne Zögern zu kommunizieren.
Stottern ist fast immer mit körperlicher Anspannung verbunden.
Die blockierten Körperstellen wahrzunehmen und entsprechende
Maßnahmen zu ergreifen, ist ebenfalls Inhalt einer logopädischen
Stottertherapie. Dabei geht es sowohl um das Erlernen gesamtkörperlicher
Entspannung als auch um den Erwerb der Fähigkeit, im Augenblick
der Stotterblockade die entsprechend blockierten Muskelgruppen
zu lösen und anstrengungsfrei weiter zu sprechen.
Vielleicht haben Sie häufig folgende Situation erlebt. Sie
wissen, dass Sie bald sprechen müssen. Die Augen Ihrer Zuhörer
oder Ihres Zuhörers sind auf Sie gerichtet. Sie spüren
den Druck, der in Ihnen aufsteigt. Sie spüren ihn körperlich:
der Atem geht schneller, das Gesicht wird heiß, die Hände
werden feucht, das Herz klopft lauter und schneller, die Schultern
verspannen sich, sie ziehen den Kopf ein oder schauen nach unten.
Sie spüren den Druck in Ihren Gedanken und Gefühlen.
Sie haben negative Erwartungen („Sicher werde ich wieder
stottern“ oder „Was der jetzt wieder von mir denkt“).
Sie werden Ihren Satz unter Anspannung beginnen und mit Anstrengung
versuchen, nicht zu stottern. Oder Sie werden im letzten Augenblick
der Situation aus dem Weg gehen.
Sie können lernen, diesem Ihnen vielleicht vertrauten Muster
eine andere, kraftsparendere und befriedigendere Lösung entgegenzusetzen.
Im Rahmen desensibilisierender Arbeit, werden wir in der Therapie
und im „In-Vivo-Training“ angstbesetzte Situation durchspielen
und angemessenere Strategien finden, sowohl was die Sprechweise
betrifft als auch Ihre mentale Befindlichkeit.
- Zusammenfassung unseres Therapieansatzes:
Erarbeitung eines flüssigeren, anstrengungsfreien Sprechens mit Reduzierung der Symptome bzgl. Stärke und Häufigkeit.
Methoden:
-Identifikation der primären und sekundären Stottersymptomatik.
-Bewusstmachung und Erweiterung der flüssigen Anteile des Sprechens mit differenzierter Wahrnehmung und Variation von Artikulation, Stimm- Sprech -und Körperausdruck.
-Erlernen einer Modifikationstechnik, die sicher beim Stotterereignis eingesetzt werden kann.
- Finden der Bedingungen für eine individuell befriedigende Kommunikation mit je nach Lebenssituation und Persönlichkeit des Klienten herauszuarbeitenden Teilzielen:
-Wecken von Kommunikationsbereitschaft und Sprechfreude.
-Verbesserung der Gestaltung von zwischenmenschlichen Kontakten im privaten und beruflichen Alltag.
-Erreichen von verbaler und körpersprachlicher Präsenz im Vortrag, im Dialog und in der Gruppe.
-Finden eines neuen kognitiven Umgangs mit dem eigenen „Versagen“, mit ängstigenden Gedanken und Gefühlen sowie festen Überzeugungen.
-Offenheit in der Wahrnehmung und Zutrauen in die eigene Kommunikationsfähigkeit finden, Spontaneität zulassen.
-Körperbezogene Arbeit zur Sensibilisierung der Wahrnehmung und zur willentlichen Entspannung in der jeweiligen fordernden Sprechsituation.
Methoden:
Techniken zur Selbststeuerung, Audio- und Videofeedback, In-vivo-Arbeit, Rollenspiel und therapeutische Improvisation, Anleitung zur Eigenarbeit mit therapeutischen Hausaufgaben, Körperarbeit nach Feldenkrais, Progressive Muskelentspannung.
Grosse Unterstützung finden viele stotternde Menschen in
den ortsansässigen Selbsthilfegruppen oder indem sie das vielfältige
Seminar- und Beratungsangebot der Bundesvereinigung Stottererselbsthilfe
mit Sitz in Köln in Anspruch nehmen. Wir werden Sie zu einer
möglichen Kontaktaufnahme ermuntern. Im Therapieverlauf kann
dies überaus hilfreich sein, da Sie auf diese Weise einen
freieren und offenen Umgang mit dem Stottern einüben. Informationen
zur Bundesvereinigung finden sie unter www.bvss.de.
Weitere ausführliche Informationen zum Thema Stottern, zu Therapieansätzen und Hilfe bei der Therapeutensuche finden Sie auf der Homepage der „Interdisziplinären Vereinigung der Stottertherapeuten e.V.“ unter
www.ivs-online.de
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